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Geschichte der Ortsteile

Gerolfingen

Die Gemeinde Gerolfingen vor dem Südhang des Hesselberges hat mit den Ortsteilen Gerolfingen, Aufkirchen und Irsingen rund 1.000 Einwohner.

Chronik von Gerolfingen

Vor- und Frühgeschichte:
Die nachweisbare Besiedelung der Landschaft um Gerolfingen und den Hesselberg geht bis in die mittlere und jüngere Steinzeit (ca. 4000 v. Chr.) zurück. Vereinzelte Funde auf der Osterwiese des Hesselbergs, z.B. geschliffene Steinbeile, belegen die Anwesenheit jungsteinzeitlicher Menschen. Weitere Funde aus der Bronzezeit (1.700 – 800 v. Chr.) machen deutlich, dass die Gegend um den Hesselberg mit dem guten Boden für eine Besiedelung bevorzugt genutzt wurde. Gerolfingen Die angrenzenden Wälder erschienen für eine Besiedelung weniger attraktiv und wurden deshalb gemieden. Verschiedene Funde bei gezielten Ausgrabungen am Hesselberg auf der Osterwiese deuten auf eine bronzezeitliche Handwerksiedlung hin. Weitere frühgeschichtliche Funde werden der Hallstatt-Zeit (ab 800 v.Chr.) und der La-Tene-Zeit (ab 450 v.Chr.) zugerechnet. Der wohl bedeutendste Fund aus dieser Zeit im Hesselberggebiet ist ein Langschwert aus der Waffenrüstung eines Kriegers. Es entstammt einem Grabhügel zwischen Schlößleinsbuck und Hesselberg. Mit einer Länge von 74 cm wird es im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt.

In der Früh-Hallstadt-Zeit entstanden vermutlich auch die sehr gut erhaltenen Ringwälle des Hesselbergs. Bei einem Spaziergang rund um die Osterwiese sind diese auch heute noch sehr deutlich als eine der größten europäischen Ringwallanlagen zu erkennen.

Die römische Besiedelung und der Einfall der Alemannen:
Die römische Besiedelung des Hesselberggebietes erfolgte gegen Ende des 1. Jh. n. Chr. Unter Kaiser Hadrian (117 – 138 n.Chr.) wurde das Kastell Dambach und später das Kastell Ruffenhofen errichtet. Von diesen Kastellen aus konnten die Römer vorgeschichtliche Straßen gut überwachen. Noch unter Hadrian wurde mit dem Bau des Palisadenlimes in Holzbauweise zur Abwehr von Angreifern begonnen. Unter Commodus (180 – 192) wurde der Limes in massiver Bauweise als so genannte Teufelsmauer ausgebaut. Schon die Römer erkannten den Hesselberg als strategisch wichtigen Aussichtspunkt und bezogen ihn deshalb in ihr Reichsgebiet ein. Der Limes wurde im Hesselberggebiet im Jahr 233 von den Alemannen durchbrochen. Dabei gingen auch die umliegenden Kastelle in Flammen auf und wurden nicht mehr aufgebaut. Ein erneuter Vorstoß durch die Alemannen im Jahr 260 drängte die Römer bis zur Donau zurück. Es gibt zwar keine Reihengräberfunde ausgesprochen alemannischer Herkunft. Dennoch ist mit ziemlicher Gewissheit anzunehmen, dass die Eroberer, also die Alemannen, auch die ersten germanischen Siedler im Hesselbergraum waren. Ausgrabungen in Gerolfingen werden auf Alemannisch-merowingischen Ursprung zurückgeführt. Im Verlauf entstanden rings um den Hesselberg als Ursiedlungen die auch heute noch bestehenden –„ingen“-Orte, wozu auch unser Gerolfingen zählt. Gerolfingen, in alten Urkunden wie auch jetzt noch in der Mundart „Gerlfing“ genannt, bedeudet: das Eigen des Gerolf, d.h. des Wolfsbekämpfers, abgeleitet von ger (=Speer, Kämpfer) und olf (=Wolf).

Somit ist Gerolfingen aufgrund der “-ingen“-Endung und der Lage an einer Altstraße sehr wahrscheinlich eine alemannische Siedlung. Die wohl bedeutendste Altstraße ist die sogenannte Nibelungenstraße. Sie verband das westliche mit dem südöstlichen Europa. Von Westen her kommend durchquerte diese bedeutende Straße Gerolfingen und verlief auf Höhe der jetzigen Ringstraße über den Steinweg nach Osten.

Fränkischer Einfluss im Hesselbergraum:
In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten gelang es den Alemannen, nach Süden bis zu den Alpen vorzudringen. Sie zerstörten die römische Kultur nicht. Vielmehr kam es zu einer Verschmelzung zwischen Germanen und Römern. Als Bauern nahmen sie Besitz vom eingenommenen Land. Ihre Führung lag in der Hand von Kleinkönigen. Bei größeren Feldzügen unterstellten sie sich einem gemeinsamen König. An der Nordgrenze bei Andernach/Rhein stieß das Gebiet der Alemannen an das Territorium der Franken. In einer entscheidenden Schlacht im Jahr 496 gelang es dem fränkischen König Chlodwig, die Alemannen zu besiegen. Dies war auch von Bedeutung für unser Land. Denn es wurde ein Teil Ostfrankens, nach dem es bis heute seinen Namen behielt. Der fränkische König wurde in den einzelnen Gauen durch Grafen vertreten. Der fränkische Einfluss zeigte sich auch darin, dass das Land offenbar nach römischem Vorbild neu vermessen und eingeteilt wurde. Ohne auf vorhandene landschaftliche Strukturen zu achten, wurde die Grenze der Gaue neu festgelegt. Bedeutend ist hier die Grenzziehung zwischen den fränkischen Gauen Sualafeld und Riesgau. Diese willkürliche Grenze verlief seinerzeit quer über den Hesselberg und überquerte bei der „Rintgazza“ (Renngass) die Wörnitz. Später war diese Grenze auch die Bistumsgrenze mit den Flurgrenzen von Gerolfingen und Röckingen. Die unter König Chlodwig zum Christentum übergetretenen Franken besiedelten wohl gegen 540 n.Chr. unsere Gegend und bauten sich auf dem späteren Aufkirchener Kirchberg ihre Burg. Von dort aus erfolgte die weitere fränkische Besiedlung südwestlich des Hesselbergs. Die spätere Mutterkirche St. Johannis in Aufkirchen hatte in einer Marienkapelle, dem ersten Gotteshaus in unserer Gegend, ihren Ursprung.

Nach 700 reformierte der päpstliche Gesandte Bonifatius die Kirche. Sein Neffe Willibald wurde Bischof von Eichstätt. Dessen Bruder Wunibald wurde Abt des Klosters Heidenheim. Er taufte in der Aufkirchener Flur Kallbrunn, an der „Wunibaldquelle“, die ersten zum christlichen Glauben bekehrenden Alemannen. Die fränkische Gründung Aufkirchens innerhalb der alemannischen Siedlung Gerolfingen hatte zur Folge, dass Gerolfingen und Aufkirchen über Jahrhunderte hinweg eine gemeinsame Flur hatten. Gemeinsam war auch das Fischwasser der Wörnitz und das so genannte Steinergricht. Die gemeinsame Markung umfasste 2028 Morgen. Erst im Jahre 1783 erfolgte die Flurteilung. Die Urmark wurde in der Weise geteilt, dass Gerolfingen 7/12 und Aufkirchen 5/12 erhielt.

Erste urkundliche Erwähnung Gerolfingens
Gerolfingen wird erstmals urkundlich im Jahre 1228 genannt. Friedrich von Truhendingen (das heutige Wassertrüdingen) verzichtet „auf das Gut zu Gerlvingen“ zugunsten des Klosters Kaisheim. Davor gehörte Gerolfingen hautsächlich zur Burg und Herrschaft Truhendingen. Bereits im Jahre 1242 wird es oettingisch. Es wird 1317 Lehen vom Hochstift Eichstätt und kehrt 1362 in das Eigentum der Grafen zu Oettingen zurück. 1371 kommt es mit dem Kauf der Herrschaft Wassertrüdingen in den jahrhunderte langen Besitz der Hohenzollern (Brandenburg-Ansbach).

Die sich gegen die Obrigkeit auflehnenden Bauern sammelten sich im Jahr 1525 im Deiniger Haufen. Es ist nachgewiesen, dass sich aus Gerolfingen und Aufkirchen 40 Mann an den Aufständen beteiligten. In der entscheidenden Schlacht bei Ostheim am 7. Mai 1525 erlitten die Bauern eine Niederlage. Gerolfingen musste 1528 an den schwäbischen Bund 340 Gulden Strafgeld bezahlen. Von den Kriegshandlungen des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) blieb Gerolfingen weitgehend verschont. Der für die Ortschaft schwerwiegendste Einschnitt bedeutete die Brandkatastrophe am 5. Juni 1681. In kürzester Zeit brannten 54 Gebäude, darunter das Pfarrhaus, nieder. Hierdurch gingen wichtige Aufzeichnungen aus vergangenen Zeiten verloren.

Gerolfingen hatte schon sehr früh eine dem „Heiligen Erhard“ geweihte Kapelle. In diese stifteten die Heiligenpfleger und die ganze Gemeinde am 3. Januar 1419 auf Genehmigung des Deutschordens eine ewige Messe. Nun konnte ein eigener Kaplan der Gemeinde dienen. Weiterhin blieb jedoch die Aufkirchener Mutterkirche maßgebend. Mit der Kirchenvisitation des Jahres 1528 beginnt die Reformation in Gerolfingen Fuß zu fassen, bis sie im Jahre 1533 mit der brandenburgischen Kirchenordnung allgemein eingeführt wurde. Die Anschaffung eines Taufsteins im Jahre 1660 bedeutet den ersten Schritt der Auspfarrung aus der Mutterkirche. Aber erst im Jahre 1811, also nach 151 Jahren, konnte die endgültige Auspfarrung vollzogen werden. Gerolfingen erlangte damit die kirchliche Unabhängigkeit von Aufkirchen.

Schon vorher, von 1717 bis 1778 wirkte in Gerolfingen Pfarrer Christian Döderlein. Er diente 61 Jahre lang, bis zu seinem 89. Lebensjahr, der Gemeinde. Dafür fand er in der Kirche seine letzte Ruhestätte. Sein Grabstein und der seiner Frau sind heute noch in der Nordwand des Chorraumes der Kirche zu sehen. Die Kirche in ihrer heutigen Form entstand im 19. Jahrhundert. Da die alte Kirche immer viel zu klein war, wurde sie im Jahr 1864 abgebrochen und am 29. Oktober 1865 nach erfolgtem Wiederaufbau eingeweiht. Von der alten Kirche steht nur noch der Turm, in dem der gotische Chor untergebracht ist. Besonderheiten unserer Kirche sind das Wandkruzifix über den Gedenktafeln für die Gefallenen, das aus dem 17.Jahrhundert stammen dürfte. Eine äußerst schöne Taufschale aus Zinn aus dem Jahr 1616, gefertigt von einem Nürnberger Zinngießer schmückt den Taufstein. Renovierungen der St. Erhardskirche fanden 1951 und 1968 statt. Am Sonntag Jubilate 1988 wurde in einem Festgottesdienst mit dem damaligen Landesbischof Dr. Johannes Hanselmann die neue Orgel ihrer Bestimmung übergeben. Die heutigen kirchlichen Aktivitäten sind sehr vielschichtig. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten haben Veranstaltungen wie Kindergottesdienst, Minigottesdienst, Frauenkreis, Landjugend, Seniorenkreis oder „Spielkreis Mutter und Kind“ ihren festen Platz im kirchlichen Leben.

Das 20. Jahrhundert
Gerolfingen war von jeher geprägt und mitbestimmt durch die unmittelbare Nähe zum Hesselberg, mit 689 Metern die höchste Erhebung von Mittelfranken. Die Gemeinde hat ihren Berg aber auch mitgestaltet. So wurde im Jahre 1903 von den Gerolfinger Bürgern die Kirschenanlage und 1904 die Kastanienanlage angelegt. Die Kastanienallee mit ihren Altbäumen ist auch heute noch Bestandteil eines herrlichen Wanderweges, der auf den Berg führt. 1910 fuhr der erste Postomnibus von Wassertrüdingen nach Dinkelsbühl. Diese Buslinie verbindet bis heute die beiden Städte mit unserem Ort. Es war vielleicht auch eine Entschädigung für die nicht erhaltene Eisenbahn. Für unsere Verhältnisse unvorstellbar und doch ist es erst 85 Jahre her, dass 1913 in unserer Ortschaft die elektrische Energie eingeführt wurde.

Die beiden Weltkriege haben auch unseren Heimatort nicht verschont. Wenn hier auch kaum Kriegshandlungen durchgeführt wurden, so sind viele Familien Opfer der Kriegsherrschaft geworden. Von deutschen Truppen wurde kurz von Kriegsende 1945 die von vier Gerolfinger und einem Aufkirchener Bürger 1732 erbaute Steinbrücke mit ihren fünf Rundbögen vor den heranrückenden Amerikanern gesprengt. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat Gerolfingen über 300 Vertriebene aufgenommen und ihnen somit eine erste neue Heimat gegeben. Viele haben zwar Gerolfingen wieder verlassen, sie kommen aber immer wieder gerne auf Besuch zurück. Diejenigen, für die Gerolfingen neue Heimat wurde, sind heute tief verwurzelt.

Die einzige befestigte Straße auf den Hesselberg, die von Gerolfingen aus bis zum Gipfel hinaufführt, wurde 1935 fertig gestellt. Die Pläne der seinerzeitigen Machthaber wurden durch den Krieg vereitelt. Nach dem Krieg wurde die frühere Segelflugschule in ein Flüchtlings- und Erholungslager für Heimkehrer umgewandelt. 1950 kaufte der Verein der Evangelischen Kirche dieses Lager und errichtete eine Evangelische Heimvolkshochschule, die unseren Berg und unsere Gemeinde über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt gemacht hat. Als höchster Ortsteil unserer Gemeinde wirkt die Einrichtung als Tagungszentrum für Erwachsenen- und Jugendbildung, Familienpflegedienstausbildung, Dorfhelferinnenausbildung und Betriebshelferzentrale. Sie bietet aber auch Erholung und Entspannung sowie soziale und diakonische Dienste an.

1951 und 1952 entschlossen sich die vier Gemeinden Gerolfingen, Aufkirchen, Irsingen und Wittelshofen, eine eigene Wasserversorgung aufzubauen. Dies erforderte damals noch viel Handarbeit. Jeder Hausbesitzer musste ca. 25 bis 30 Arbeitstage für seinen Hausanschluss ableisten. Das in Gerolfingen befindliche Wasserhaus liefert zwischenzeitlich aus drei Tiefbrunnen gefördertes Trinkwasser bester Qualität, zusätzlich für die Ortschaften Weiltingen, Ruffenhofen, Wörnitzhofen, Fürnheim, Himmerstall und Frankenhofen und versorgt somit ca. 4.000 Einwohner.

Für die ausübenden landwirtschaftlichen Betriebe wurden erhebliche Verbesserungen erreicht, als 1976 zusammen mit 29 weiteren Ortschaften das Gruppenflurbereinigungsverfahren „Hesselberg“ abgeschlossen wurde. Neben dem Wirtschaftswegebau und der Zusammenlegung der Flächen wurden auch wasserwirtschaftliche Maßnahmen durchgeführt. Zudem wurde im Rahmen der Flurbereinigung ein wunderschöner Badeweiher errichtet, der mit seinem klaren Wasser zum Baden einlädt.

1964 wurde mit viel Mühe das neue Hauptschulgebäude der Gemeinde errichtet. Lange Zeit zuvor war die Schule in der Nähe der Kirche untergebracht, und zwar im Gebäude des heutigen kirchlichen Gemeindehauses. Bedingt durch die Gründung und spätere Neustrukturierung des Schulverbandes Hesselberg-Süd findet seit 1991 in der Schule kein Unterricht mehr statt. Die Gemeinde Gerolfingen hat zwischenzeitlichen einen Teil des Schulgebäudes zum Kindergarten umgebaut. Kindergärten bestehen in Gerolfingen bereits seit 1933 und wurden bis 1979 vom Diakoniemutterhaus Gunzenhausen personell betreut. Seither befindet sich der Kindergarten in der Trägerschaft der Gemeinde.

Seit 1972 setzt sich nun die politische Gemeinde aus den Ortsteilen Gerolfingen – Aufkirchen – Irsingen zusammen. Auf freiwilliger Basis haben sich die drei früheren selbständigen Gemeinden im Rahmen der Gebietsreform zusammengeschlossen. Neben der Integration der Bürger bedurfte es vieler notwendiger baulicher Maßnahmen. Es wurde unter anderem die grundlegende Abwasserkanalisation durchgeführt. In diesem Zusammenhang wurde eine vollbiologische Kläranlage errichtet. Die Staatsstraße 2218, die als Deutsche Ferienstraße Alpen-Ostsee durch Gerolfingen führt, wurde erneuert und mit beiderseitigen Gehsteigen versehen. Nachdem jahrzehntelang eine hölzerne Behelfsbrücke als Übergang (für die gesprengte Brücke) über die Wörnitz diente, wurde am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1991, die neu erstellte Untere Wörnitzbrücke eingeweiht. Wegen erheblicher Schäden wurde die einspurige „Obere Wörnitzbrücke“ abgerissen. Seit dem Wiederaufbau der neuen „Oberen Wörnitzbrücke“ am 25. Mai 2006 (Himmelfahrtstag) geht der Verkehr zwischen Gerolfingen und Aufkirchen jetzt zweispurig. Durch die Gründung des Zweckverbandes „Römerpark Ruffenhofen“ im Jahr 2001 ist Gerolfingen mit den Gemeinden Weiltingen und Wittelshofen in der Verpflichtung das römische Erbe zu bewahren und aufzubauen.

Ein Volk lebt von seiner Geschichte. Auch unser Dorf ist geprägt durch seine lange Geschichte und Tradition. Dieses gilt es zu bewahren und zu fördern. Nur so ist es möglich, eine Dorfgemeinschaft, die über Jahrhunderte gepflegt wurde, auch weiterhin aufrecht zu erhalten. Aus dieser Erkenntnis wollen wir gemeinsam die Gegenwart meistern, um die Anforderungen der Zukunft bewältigen zu können und schließlich alles in Gottes Hände zu legen.

Der Inhalt der hier abgedruckten Chronik von Gerolfingen wurde im Wesentlichen aus der Festschrift „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gerolfingen“ entnommnen.

Aufkirchen

Der Ortsteil Aufkirchen (erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1188 als „burgus“ = befestigter Ort) ist mit seinem Fachwerk-Rathaus (1688) und der weithin sichtbaren St. Johanniskirche (1514) mit ihrem Barockaltar sehenswert und kunstgeschichtlich bekannt.

Chronik von Aufkirchen

Unbestritten ist, dass die Römer unter Kaiser Domitian um das Jahr 90 n. Chr. hierher kamen und die Schanz in der Aufkirchener Flur als Übergangslager errichteten. Von hier aus bauten sie den Limes im Norden des Hesselbergs, mit dem sie das fruchtbare Schwarzjuraland (Zentland) einfriedeten. Für Pfarrer Sperl, dem Verfasser der großen „Aufkirchener Chronik“ von 1908, gibt es weitere Zeugnisse der Aufkirchner Frühgeschichte. Der rechteckige Rathausplatz und das ursprünglich rechteckig von Mauern umgebene Aufkirchen mit vier Toren sind ihm ein Hinweis auf eine römische Stadt. Er denkt an „venaxamoduro“ den befestigten Ort am Fischfluss, den Sitz der IV. gallischen Kohorte. Nach den Römern kamen die Alemannen in die ursprünglich von Kelten besiedelten Orte Gerolfingen und Irsingen. Pfarrer Sperl meint, dass um 540 n. Chr. die Franken die frühere Römerstadt Aufkirchen in Besitz nahmen. Sie waren bereits Christen (Marienkapelle!). Von Aufkirchen aus, erfolgte dann die fränkische Besiedlung von Wittelshofen, Frankenhofen, Ruffenhofen und Wörnitzhofen. Das wichtigste Ereignis fällt wohl ins Jahr 755 n. Chr. Wunibald missionierte die Alemannen. König Pippin befiehlt Taufkirchen zu errichten. Die Aufkirchner Franken bauen in die Mauern ihrer Burg eine Kirche für die Umgebung. Außen herum legen sie ihr befestigtes Städtlein an. Ab 760 n. Chr. ist Aufkirchen dann der kirchliche und politische Mittelpunkt unserer Gegend. Auch die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1188 weist in diese Richtung:

1188, Seligenstadt, 23.04. – Kaiser Friedrich I. verschreibt Berengaria von Kastilien, der Braut seines Sohnes Kunrad, des Herzogs von Rothenburg, staufische Güter – darunter burgum ufkirchein, burgum tinkelsbühel – als Morgengabe. So die kaiserliche Niederschrift, die Aufkirchen das erste Mal urkundlich erwähnt.

1208 wird der staufische Thronfolger, Philipp von Hohenstaufen, ermordet. Der welfische Thronfolger, Otto IV, heiratet dessen Tochter Beatrix und kommt am 5.2.1209 nach Aufkirchen. In seiner Gegenwart wird eine Urkunde mit dem Aufkirchener Stadtsiegel (civium ufkirchin) gesiegelt. Der Bischof von Speyer stellt sie für das Kloster Kaisheim aus. In vielen Niederschriften, Schenkungen, Stiftungen und Lehen werden nun Amtsleute, Adelige, Ministerialen und ministro civitatis in und von Ufkirchen genannt. So bedeutsam aber auch der freie Reichsort Aufkirchen im 12. und 13. Jahrhundert gewesen sein mag, mit den untergehenden Stauferkaisern wird er allmählich ins politische Tief gezogen. Die späteren armen deutschen Kaiser verpfänden Aufkirchen mehrmals, meist an die aufstrebenden Grafen von Oettingen („für geleistete Dienste“). Aufkirchen liegt jenseits der großen Handelsstraßen und wird im 14. und 15. Jahrhundert Marktort für die Umgebung, mit einer Art städtischer Selbstverwaltung (auf dem Rathaus ist „kaiserliche Freiheit“).

Das Patronat der Kirche kommt an das Haus in Oettingen, an den Deutschen Orden. Der oettingische Graf schickt seinen Verwalter. Aufkirchen erhält ein oettingisches Amt. Die alte Gerichtsstätte (Galgen) verbleibt ihr zunächst. Bedeutsam sind die gute und preiswerte Handwerksarbeit. Die „Aufkirchner Elle“ ist 2 cm länger als die Dinkelsbühler! Und „die große Aich“ hat einen weiten Einzugsbereich (Mönchsroth, Segringen, Walxheim, Thannhausen, Weiltingen, Dorfkemmathen und Andere müssen ihre Gefäße hier eichen lassen). Kirchlicher Mittelpunkt bleibt Aufkirchen bis ins 17. Jahrhundert. Die umliegenden Orte haben längst eigene Kirchen (Wittelshofen seine St. Martinskirche schon im 8. Jahrhundert). Sie stiften „ewige Messen“ (Frankenhofen 1375, Wittelshofen 1380, Gerolfingen 1419, Reichenbach 1470, Untermichelbach 1487). 1450 zerstörten die Augsburger im Städtekrieg Aufkirchen mit Kirche, Gerichtsstätte und den Orten der Umgebung. 1627 löst sich Wittelshofen aus dem Pfarrverband, nachdem es zuvor einen eigenen Friedhof angelegt hatte. Am Ostersamstag, den 5.4.1634 wird Aufkirchen vom Tross des Bernhard von Weimar geplündert und angezündet. Die Leute werden am Löschen gehindert. 54 Firste, Kirche, Kapelle, Rathaus, Amtshaus, Pfarrhaus und viele Bürger- und Handwerkerhäuser werden ein Raub der Flammen. Hungersnot und Pest breiten sich aus. Ab 1639 wird Aufkirchen von Wittelshofen aus versehen. Die Gottesdienste müssen aber in Gerolfingen gehalten werde. Durch die Spende des Oettinger Grafen kann der Chor der Kirche 1642 zum Gottesdienst eingerichtet werden. Eine Bretterwand schließt ihn gegen das Schiff ab. Kaspar Hertlein ist Pfarrer. Mit ihm beginnen die Kirchenbücher. Aus dem Ländlein ob der Enns kommen Glaubensflüchtlinge, finden hier Heimat und helfen beim Aufbau. 1660 werden in Frankenhofen, Gerolfingen und Untermichelbach Taufsteine angeschafft. 1662 kann die Gemeinde in der renovierten Kirche wieder Gottesdienst feiern.

Eine Blütezeit folgt. 1687 werden die Zünfte wieder aufgerichtet. Die Aufkirchner Tuchmacher erhalten ein besonderes Siegel. Ab 1700 werden wieder Märkte gehalten. Ein evangelischer Oettinger Graf baut sich 1721 ein Sommerschlösschen mit Orangerie. Das 19. Jahrhundert bringt dann die Auspfarrungen von Frankenhofen und Untermichelbach (1808), Gerolfingen (1811), Wörnitzhofen (1837), Ruffenhofen (1842). Das oettingische Oberamt wird 1817 nach Mönchsroth verlegt. Durch die beginnende Industrialisierung müssen viele Handwerker aufgeben. Aufkirchen wird ein Ort mit kleinen Landwirten, dörflichen Handwerkern und Arbeitern.

Aufkirchen vom 19. Jahrhundert bis heute (Kurzfassung)

1806 Oettingen, und somit auch Aufkirchen kommt zu Bayern
1808 Das Schloss wurde abgebrochen und die Häuser Nr.104 u. 105 an seiner Stelle gebaut
1840 Aufkirchen hat 98 Wohnhäuser, 498 Einwohner, Irsingen 24 Häuser, 123 Einwohner, Reichenbach 18 Häuser, 93 Einwohner, Stahlhof 3 Häuser, 10 Einwohner
1864 Pfarrer Vogel verpachtet sämtliche Grundstücke des Bauernhofes, der zum Pfarramt gehört hat. Bis 1864 war der Pfarrer zugleich Landwirt
1870/71 Im Deutsch-Französischen Krieg ist ein Aufkirchner gefallen
1873 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Aufkirchen
1877 Gründung des Männergesangvereins Aufkirchen
1880 Gründung des Soldaten- und Kampfgenossenvereins Aufkirchen-Irsingen
1914-18 Im ersten Weltkrieg mussten 20 Männer aus Aufkirchen ihr Leben lassen
1922 Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Aufkirchen
1939-45 Im zweiten Weltkrieg beklagt Aufkirchen-Irsingen 27 Gefallene und 18 Vermisste
1947 Gründung des Sportclub Aufkirchen (SCA)
1953 Beginn der Flurbereinigung, Bau der Wasserleitung, der Kanalisation und der Straßen
1961 Bau des Kindergartens und des Gemeindesaals
1965 Beginn der Renovierung der Kirche und Neugestaltung des Friedhofs
1972 Zusammenschluss der politischen Gemeinde mit Gerolfingen und Irsingen
1975 Gründung des Kellerclub Aufkirchen (KCA)

Aufkirchen – Sehenswertes
Wenn Sie sich etwas umschauen wollen, beginnen Sie den Rundgang am besten beim Rathaus. Es wurde mit seinem schmucken Fachwerk von 1685 – 1688 auf dem alten Platz wieder aufgebaut. Die Rathausuhr ist aus dem Jahre 1838. Die Nachbildung des alten Reichsadlers über dem Eingang erinnert an das reichsfreie Städtlein der Stauferzeit, das Halseisen des Prangers an die Aufkirchner Gerichtsbarkeit.

Östlich gegenüber dem Rathaus befindet sich das ehemalige Amtshaus. Es wurde 1688 erbaut und war bis 1811 Amtshaus. Danach wurde es als Bäckerei genutzt. Das mächtige Anwesen befindet sich in Privatbesitz.

Südlich vorbei am Adlerwirt und ehemaligem Schulhaus steht rechts davon die St. Johanniskirche inmitten des Friedhofes. 1642 wurde mit dem Aufbau der Kirche der 1634 niedergebrannten Kirche begonnen. Der 38 Meter hohe mächtige Kirchturm ist weit in die Landschaft hinein sichtbar. In der Glockenstube hängen fünf Glocken. Im Altarraum sehen Sie den Taufstein aus der romanischen Kirche (12. Jahrhundert). Der Renaissance-Altar stammt aus der Oettinger Schlosskirche und kam 1686 hier her. Beachten Sie das Abendmahlbild der Predella. Jesus reicht Judas den Bissen. Über dem Eingang zur Sakristei hängt ein Luther-Bild. Basilius Gabler, in Aufkirchen geboren, in Hannover lebend, hat es 1766 gestiftet (zur 250-Jahrfeier des Thesenanschlages 1517). Auf der Orgel: Zwei lobsingende Engel, sie preisen Gott mit Herzen, Mund und Händen und lassen etwas vom Klang des frühbarocken Werkes ahnen. Die Orgel hatte einen langen Weg hinter sich, ehe sie nach Aufkirchen kam. Vom Abt von Rebdorf bestellt, war sie 1663 gebaut worden. Jener konnte sie nicht bezahlen. Schließlich übernahm sie der Eichstätter Bischof Johann Eucharius Schenk zu Castell, ließ sein Wappen auf ihr anbringen und schenkte sie den Eichstätter Dominikanern. Am oberen Rand des Wappens erkennen Sie Bischofsstab, -mütze, einen Märtyrer und das Schwert des Fürstbischofs. Der Märtyrer thront auf einem Lorbeerkranz, die Arme auf den Rücken gebunden, sein Unterleib ist abgeschlagen. Er hat mit Christus überwunden (Off. 2,10). In den Wappenfeldern sehen Sie außer zwei Hirschgeweihen, vier englische Leoparden, die uns an Willibald, den ersten Eichstätter Bischof, an seinen Bruder Wunibald und deren englische Herkunft erinnern. Nach der Säkularisation des Dominikanerklosters 1806 stand die Orgel zum Verkauf. Der Aufkirchener Johann Caspar Beck war als Schlachtermeister in Hamburg in der napoleonischen Zeit zu Geld gekommen. Er spendete die 475 Gulden für den Ankauf der Orgel (rechts von der Orgel sein Bild). Die Orgel gilt als eine der ältesten und wertvollsten Barockorgeln überhaupt. Österreichische Glaubensflüchtlinge aus dem Ländlein ob der Enns kamen nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Aufkirchen und Irsingen. Sie trugen das Ihre zum Wiederaufbau der Kirche bei und erhielten ihren Platz an der Orgel. Aus dieser Zeit stammen 4 Bilder. Sie erinnern an Verfolgung, Flucht, an ihr Ringen mit Gott und an ihren Dank ihm gegenüber.

Der Inhalt der hier abgedruckten Chronik wurde aus den drei Broschüren der Kirchengemeinde Aufkirchen (Aufkirchen, Geschichte, St. Johannis) bzw. der Festausschüsse 1979 (Aufkirchen – Aus der Chronik-kleiner Wegweiser zu Sehenswertem) und 1988 (800 Jahre –burgum ufkirchin-) entnommen.

Irsingen

Chronik von Irsingen

1. Ortsentstehung
Irsingen wurde im Jahre 1053 erstmals urkundlich erwähnt (bei der Beschreibung eines kaiserlichen Wildbannes als Villa Ursingen). Die Gegend um den Hesselberg war aber schon seit der mittleren Steinzeit besiedelt, wie manche Funde (auch in der Irsinger Gemarkung) beweisen. Ab ca. 500 v. Chr. bewohnten die Kelten unser Land und hinterließen uns u.a. die verschiedenen Schanzen. Vertrieben wurden die Kelten um ca. 100 n. Chr. von den Römern, nachdem diese aus dem Donauraum in unser Gebiet vorstießen. Die Römer bauten Straßen und sicherten ihren Besitz durch Kastelle und später durch eine Schutzmauer – den Limes. Ein germanischer Stamm – die kriegerischen Alemannen – drängten im 4. Jahrhundert die Römer nach Süden und später über die Alpen zurück. Diese Alemannen siedelten sich auch im Hesselbergraum an und teilten das fruchtbare Land unter ihren Stammesführern auf. Es entstanden die Ursiedlungen unserer Gegend in der Mitte der meist größeren Gemarkungen. Alle Ortsnamen enden mit „ingen“ und vorn dran steht der Name des Sippenführers. Auffallend ist, dass in unserem Raum alle diese Orte im Bereich des ehemaligen Römergebietes liegen. Dies liegt sicher daran, dass die Alemannen sich hauptsächlich an den guten Böden des Lias ansiedelten und nach Norden zu, sich das Sumpfgebiet der Heide befand. Irsingen dürfte später entstanden sein, da der Ort doch ziemlich am nördlichen Rand seiner kleinen Gemarkung liegt. Bei seiner Entstehung war wohl schon fast alles fruchtbare Land verteilt. Dem Ortsnamen nach dürfte ein bei dem Rückzug der Römer zurückgebliebener Legionär (lateinischer Name „Urso“) von den Alemannen geduldet worden sein. Er bekam einen Rest von dem fruchtbaren Liasgebiet zugeteilt. Ein siegreicher Germane dürfte wohl kaum den Namen eines besiegten Romanen angenommen haben. Die jetzige Gemarkung Irsingen entstand nach und nach durch Rodungen gegen Süden und Osten, wie die verschiedenen Flurnamen bezeugen. Gerolfingen war eine der größten Ursiedlungen der Alemannen. Mit der Landname der Franken wurde von diesen dann Aufkirchen aus politischen Gründen als strategisch wichtiger Ort (Flussübergänge – Altstraßen) in die Gerolfinger Urmark gebaut. Nach Auffassung von Generalmajor Popp (1893) war im Bereich des jetzigen Friedhofs von Aufkirchen früher ein Römerkastell vorhanden, (rechtwinklige Form mit viereckigem Marktplatz) das von den Alemannen zerstört und durch die Franken wieder als befestigter Königshof zur Überwachung des Wörnitzgrundes ausgebaut wurde. Aufkirchen hatte dann mit Gerolfingen eine gemeinsame Gemarkung bis ins 18.Jahrhundert. Mit den Franken kam das Christentum in unsere Gegend. In Aufkirchen wurde eine der ersten Kapellen erbaut. Seit Entstehung der christlichen Gemeinde in Aufkirchen gehört Irsingen zu dieser dazu. Die Franken teilten das Land in verschiedene Gaue auf. So befand sich Aufkirchen, Irsingen und Gerolfingen genau an der Grenze vom nördlichen Sualafeld und dem südlichen Riesgau. Diese Grenze wirkte sich jahrhunderte lang in der Reformationszeit (evangelisch-katholisch), in der Politik (Markgrafen-Oettinger) und auch jetzt noch in der Sprache (fränkisch-schwäbisch) auf die Bewohner der Gegend aus. An der Gemarkungsgrenze westlich von Irsingen verläuft eine Altstraße, die vom Ries über Schopflohe, westlich Himmerstall nach Norden Richtung Herrieden geht. Diese dürfte von den Römern angelegt worden sein, wie der Flurname Herdstraße (1683 „uf der Heerstraßen“) andeutet. Ein Nebenzweig der Nibelungenstraße, führt wahrscheinlich von Weiltingen her durch Irsingen, an der Wunibaldquelle vorbei mit der „Rintgasse“ über die Wörnitz Richtung Röckingen. Die Urhöfe der Siedlungsgründer in Irsingen befinden sich alle nördlich dieser alten Straße. Der erste und wichtigste war der später so genannte Maierhof. Die als größere Blöcke in einer ansonsten Langstreifengewannenflur liegenden Grundstücke des Maierhofes (durch die Flurbereinigung verschwunden) bezeugen die Bedeutung des Hofes mit seinen Rechten und Pflichten in Irsingen. Das auch heute noch „Moarhof“ genannte Anwesen Nr. 15 war auf einigen Feldern der Ruffenhofener Flur zehntberechtigt. Aus dem Maierhof ist zu unbekannter Zeit das Anwesen Nr. 7 gebrochen worden. Das ist nicht nur an der Nachbarlage der Grundstücke von beiden zu erkennen, sondern auch daran, dass diese Anwesen der Reichsalmosenpflege zu Dinkelsbühl zinsbar waren. Auch besaß jedes Anwesen die Hälfte eines Feldlehens (je 12 Morgen) und beide teilen sich das Maierholz (4 Morgen) südlich des Ortes. Es ist wahrscheinlich, dass damals Nr. 17 (eine Webersölde ohne Grundbesitz) auf Maierhofgrund errichtet wurde. Die sonstigen größeren Anwesen des Ortes sind Nr. 4, Nr. 10 und Nr. 20. Alle diese Hausnummern liegen auf der Nordseite der Dorfstraße. Südlich davon liegt der Brühl, ein Grünland, das wohl nicht bebaut war (diese Brühls findet man oft in Maierhofnähe oder königlichen Gütern). Nr. 7 wurde als Ausbruch vom Moarhof dort hinein gesetzt. Ebenso sind die auf dem Brühl stehenden Anwesen zur Zeit des Erstkatasters kleinere Höfe. Im Jahr 1525 zählte Irsingen 18 und im Jahr 1608 23 Anwesen. Es sind also zwischen 1525 und 1608 fünf Anwesen dazu gekommen. Die Irsinger Gemarkung ist auffallend klein (814 Tagwerk). Dabei ist zu beachten, dass im Südosten, in der Nähe des Bürgfelds, einst eine gemeinsame Weide mit Aufkirchen und Gerolfingen war, die erst im 18. Jahrhundert verteilt wurde. Auch die Nordwestgrenze auf dem Kamm des Lohwasens ist das Ergebnis jahrhunderte langer Streitigkeiten. Der Altbestand der Irsinger Flur, sind die so genannten Breiten westlich und nordwestlich des Ortes. Fuchslohe, Sandfeld und Heide im Süden und Südosten sind schon dem Namen nach spätere Rodungen.

2. Mittelalter
Über das frühe Mittelalter gibt es kaum noch Dokumente von Irsingen. Das liegt sicher an der engen Verbindung mit Aufkirchen, welches viel bedeutender war. Auch gab es in Irsingen keine Lehrer und Pfarrer, die früher meist die Ereignisse aufschrieben. Einige wenige Vorgänge sind aber doch bekannt, sie sind im nächsten Kapitel beschrieben. 1517 wurde durch den Thesenanschlag in Wittenberg von Martin Luther die Reformation ausgelöst. Ab 1519 begannen auch in der Grafschaft Oettingen reformatorische Aktivitäten. Während die Linie des Grafen Oettingen-Oettinen zum evangelischen Glauben übertrat, behielt die Linie Oettingen-Spielberg den katholischen Glauben bei. Irsingen ist nach Aufkirchen eingepfarrt. In Aufkirchen wurde ab 1524 die Reformation angebahnt, sodass sich der evangelische Glaube bis zum heutigen Tag halten konnte. Im Bauernaufstand von 1525 versuchten die Bauern mit Gewalt, sich von den Abgaben und Frondiensten der Herrschaften zu befreien. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen. Irsinger Bewohner waren dabei, als der Rieser Haufen das Kloster Auhausen plünderte. Sie wurden danach in der Schlacht von Ostheim von markgräflichen Soldaten vernichtend geschlagen. Zur Strafe wurden den Irsingern 1528 vom Schwäbischen Bund 144 Gulden aufgebürdet. Der 30-jährige Krieg (1618 – 1648), der anfangs als Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken geführt wurde, entwickelte sich schnell zu einem Ringen um die Macht in Mitteleuropa. Während in den ersten Jahren der Kriegsschauplatz vor allem in Norddeutschland lag, wurde ab 1628 mehr und mehr auch Süddeutschland von den Kampfhandlungen und Plünderungen betroffen. Durch die Schlachten von Nördlingen (1634) und Alerheim (1645) kamen größere Heere in unsere Gegend und verbreiteten Angst und Schrecken. Wenn man die Truppenbewegungen im 30-jährigen Krieg betrachtet – wobei Aufkirchen und Umgebung immer wieder durch Plünderungen und Brandschatzung betroffen war, muss man annehmen, dass die vorbeiführenden Altstraßen damals von großer Bedeutung waren. Die größte Heimsuchung musste Aufkirchen am 5. April 1634 erleben, als es nach Plünderung in Brand gesteckt wurde. Neben Pfarrkirche und 54 Häusern fielen auch die Kirchenbücher den Flammen zum Opfer. 1642 beginnen wieder die Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern. 1643 wurde der Kirchturm wieder hergestellt. 1685 wurde das jetzige Pfarrhaus erbaut.

Irsingen vom 18. Jahrhundert bis heute (Kurzfassung)

1714 Im März und April sind Soldaten von Leutrumschen Regiment in Aufkirchen gelegen. Am 20. März fiel in Irsing eine Bande von 7 – 8 Räubern in das Dinkelsbühlische Haus des Michael Ries ein und plünderte es aus.
1719 Ende September, Vergleich zwischen Aufkirchen, Gerolfingen, Reichenbach und Irsingen wegen der gemeinschaftlichen Hutung
1806 Irsingen wird vom Oettinger Fürsten an das Königreich Bayern abgegeben
1810 18. Mai, Grenzbereinigung zwischen Bayern und Württemberg. Die Herrschaft in Weiltingen hatte 9 Untertanen in Irsingen
1876 Gründung des Soldaten- und Kampfgenossenvereins Aufkirchen – Irsingen
1895 Scheunenbrand in Hs.Nr. 14
1898 11. Januar, Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Irsingen
1914-1918 Im ersten Weltkrieg fallen 5 Irsinger
1923 Irsingen erhält eine öffentliche Stromversorgung
1939-1945 Der zweite Weltkrieg fordert in Irsingen 7 Gefallene und 4 Vermisste
1953 Bau einer Wasserversorgungsanlage mit Nachbargemeinden
1954-1957 1. Flurbereinigung
1954 Neubau eines Sportplatzes im „Lohe“
1962 Bau eines Kindergartens zwischen Aufkirchen und Irsingen
1963 Erste Flüge der Dinkelsbühler Luftsportvereinigung über dem Bärenbuck
1972 Zusammenschluss der Gemeinde Irsingen und Aufkirchen mit Gerolfingen
1974 Gründung der Waldgenossenschaft Irsingen
1983-1990 Dorferneuerungsverfahren Irsingen
1990 Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses
2000-2005 2. Flurbereinigung
2010 Irsingen wird komplett neu mit Strom und mit DSL (Internet) verkabelt

Der Inhalt der hier abgedruckten Chronik von Irsingen wurde im Wesentlichen aus der Festschrift „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Irsingen“ entnommen.


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kultur/geschichte_ortsteile.txt · Zuletzt geändert: 13.05.2019 von Wolfgang Wolf

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