Geschichte Ortsteil Aufkirchen

Gerolfingen | Aufkirchen | Irsingen

Der Ortsteil Aufkirchen (erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1188 als "burgus" = befestigter Ort) ist mit seinem Fachwerk-Rathaus (1688) und der weithin sichtbaren St. Johanniskirche (1514) mit ihrem Barockaltar sehenswert und kunstgeschichtlich bekannt.

Chronik von Aufkirchen

Unbestritten ist, dass die Römer unter Kaiser Domitian um das Jahr 90 n. Chr. hierher kamen und die Schanz in der Aufkirchener Flur als Übergangslager errichteten. Von hier aus bauten sie den Limes im Norden des Hesselbergs, mit dem sie das fruchtbare Schwarzjuraland (Zentland) einfriedeten.
Für Pfarrer Sperl, dem Verfasser der großen „Aufkirchener Chronik“ von 1908, gibt es weitere Zeugnisse der Aufkirchner Frühgeschichte. Der rechteckige Rathausplatz und das ursprünglich rechteckig von Mauern umgebene Aufkirchen mit vier Toren sind ihm ein Hinweis auf eine römische Stadt. Er denkt an „venaxamoduro“ den befestigten Ort am Fischfluss, den Sitz der IV. gallischen Kohorte.
Nach den Römern kamen die Alemannen in die ursprünglich von Kelten besiedelten Orte Gerolfingen und Irsingen. Pfarrer Sperl meint, dass um 540 n. Chr. die Franken die frühere Römerstadt Aufkirchen in Besitz nahmen. Sie waren bereits Christen (Marienkapelle!). Von Aufkirchen aus, erfolgte dann die fränkische Besiedlung von Wittelshofen, Frankenhofen, Ruffenhofen und Wörnitzhofen.
Das wichtigste Ereignis fällt wohl ins Jahr 755 n. Chr. Wunibald missionierte die Alemannen. König Pippin befiehlt Taufkirchen zu errichten. Die Aufkirchner Franken bauen in die Mauern ihrer Burg eine Kirche für die Umgebung. Außen herum legen sie ihr befestigtes Städtlein an. Ab 760 n. Chr. ist Aufkirchen dann der kirchliche und politische Mittelpunkt unserer Gegend. Auch die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1188 weist in diese Richtung:

1188, Seligenstadt, 23.04. – Kaiser Friedrich I. verschreibt Berengaria von Kastilien, der Braut seines Sohnes Kunrad, des Herzogs von Rothenburg, staufische Güter – darunter burgum ufkirchein, burgum tinkelsbühel – als Morgengabe. So die kaiserliche Niederschrift, die Aufkirchen das erste Mal urkundlich erwähnt.

1208 wird der staufische Thronfolger, Philipp von Hohenstaufen, ermordet. Der welfische Thronfolger, Otto IV, heiratet dessen Tochter Beatrix und kommt am 5.2.1209 nach Aufkirchen. In seiner Gegenwart wird eine Urkunde mit dem Aufkirchener Stadtsiegel (civium ufkirchin) gesiegelt. Der Bischof von Speyer stellt sie für das Kloster Kaisheim aus. In vielen Niederschriften, Schenkungen, Stiftungen und Lehen werden nun Amtsleute, Adelige, Ministerialen und ministro civitatis in und von Ufkirchen genannt. So bedeutsam aber auch der freie Reichsort Aufkirchen im 12. und 13. Jahrhundert gewesen sein mag, mit den untergehenden Stauferkaisern wird er allmählich ins politische Tief gezogen. Die späteren armen deutschen Kaiser verpfänden Aufkirchen mehrmals, meist an die aufstrebenden Grafen von Oettingen („für geleistete Dienste“). Aufkirchen liegt jenseits der großen Handelsstraßen und wird im 14. und 15. Jahrhundert Marktort für die Umgebung, mit einer Art städtischer Selbstverwaltung (auf dem Rathaus ist „kaiserliche Freiheit“).

Das Patronat der Kirche kommt an das Haus in Oettingen, an den Deutschen Orden. Der oettingische Graf schickt seinen Verwalter. Aufkirchen erhält ein oettingisches Amt. Die alte Gerichtsstätte (Galgen) verbleibt ihr zunächst. Bedeutsam sind die gute und preiswerte Handwerksarbeit. Die „Aufkirchner Elle“ ist 2 cm länger als die Dinkelsbühler! Und „die große Aich“ hat einen weiten Einzugsbereich (Mönchsroth, Segringen, Walxheim, Thannhausen, Weiltingen, Dorfkemmathen und Andere müssen ihre Gefäße hier eichen lassen).
Kirchlicher Mittelpunkt bleibt Aufkirchen bis ins 17. Jahrhundert. Die umliegenden Orte haben längst eigene Kirchen (Wittelshofen seine St. Martinskirche schon im 8. Jahrhundert). Sie stiften „ewige Messen“ (Frankenhofen 1375, Wittelshofen 1380, Gerolfingen 1419, Reichenbach 1470, Untermichelbach 1487).
1450 zerstörten die Augsburger im Städtekrieg Aufkirchen mit Kirche, Gerichtsstätte und den Orten der Umgebung.
1627 löst sich Wittelshofen aus dem Pfarrverband, nachdem es zuvor einen eigenen Friedhof angelegt hatte. Am Ostersamstag, den 5.4.1634 wird Aufkirchen vom Tross des Bernhard von Weimar geplündert und angezündet. Die Leute werden am Löschen gehindert. 54 Firste, Kirche, Kapelle, Rathaus, Amtshaus, Pfarrhaus und viele Bürger- und Handwerkerhäuser werden ein Raub der Flammen. Hungersnot und Pest breiten sich aus. Ab 1639 wird Aufkirchen von Wittelshofen aus versehen. Die Gottesdienste müssen aber in Gerolfingen gehalten werde. Durch die Spende des Oettinger Grafen kann der Chor der Kirche 1642 zum Gottesdienst eingerichtet werden. Eine Bretterwand schließt ihn gegen das Schiff ab. Kaspar Hertlein ist Pfarrer. Mit ihm beginnen die Kirchenbücher. Aus dem Ländlein ob der Enns kommen Glaubensflüchtlinge, finden hier Heimat und helfen beim Aufbau.
1660 werden in Frankenhofen, Gerolfingen und Untermichelbach Taufsteine angeschafft. 1662 kann die Gemeinde in der renovierten Kirche wieder Gottesdienst feiern.

Eine Blütezeit folgt. 1687 werden die Zünfte wieder aufgerichtet. Die Aufkirchner Tuchmacher erhalten ein besonderes Siegel. Ab 1700 werden wieder Märkte gehalten. Ein evangelischer Oettinger Graf baut sich 1721 ein Sommerschlösschen mit Orangerie.\\ Das 19. Jahrhundert bringt dann die Auspfarrungen von Frankenhofen und Untermichelbach (1808), Gerolfingen (1811), Wörnitzhofen (1837), Ruffenhofen (1842). Das oettingische Oberamt wird 1817 nach Mönchsroth verlegt. Durch die beginnende Industrialisierung müssen viele Handwerker aufgeben. Aufkirchen wird ein Ort mit kleinen Landwirten, dörflichen Handwerkern und Arbeitern.

Aufkirchen vom 19. Jahrhundert bis heute (Kurzfassung)

1806Oettingen, und somit auch Aufkirchen kommt zu Bayern
1808Das Schloss wurde abgebrochen und die Häuser Nr.104 u. 105 an seiner Stelle gebaut
1840Aufkirchen hat 98 Wohnhäuser, 498 Einwohner, Irsingen 24 Häuser, 123 Einwohner, Reichenbach 18 Häuser, 93 Einwohner, Stahlhof 3 Häuser, 10 Einwohner
1864Pfarrer Vogel verpachtet sämtliche Grundstücke des Bauernhofes, der zum Pfarramt gehört hat. Bis 1864 war der Pfarrer zugleich Landwirt
1870/71Im Deutsch-Französischen Krieg ist ein Aufkirchner gefallen
1873Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Aufkirchen
1877Gründung des Männergesangvereins Aufkirchen
1880Gründung des Soldaten- und Kampfgenossenvereins Aufkirchen-Irsingen
1914-18Im ersten Weltkrieg mussten 20 Männer aus Aufkirchen ihr Leben lassen
1922Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Aufkirchen
1939-45Im zweiten Weltkrieg beklagt Aufkirchen-Irsingen 27 Gefallene und 18 Vermisste
1947Gründung des Sportclub Aufkirchen (SCA)
1953Beginn der Flurbereinigung, Bau der Wasserleitung, der Kanalisation und der Straßen
1961Bau des Kindergartens und des Gemeindesaals
1965Beginn der Renovierung der Kirche und Neugestaltung des Friedhofs
1972Zusammenschluss der politischen Gemeinde mit Gerolfingen und Irsingen
1975Gründung des Kellerclub Aufkirchen (KCA)

Aufkirchen – Sehenswertes

Wenn Sie sich etwas umschauen wollen, beginnen Sie den Rundgang am besten beim Rathaus. Es wurde mit seinem schmucken Fachwerk von 1685 – 1688 auf dem alten Platz wieder aufgebaut. Die Rathausuhr ist aus dem Jahre 1838. Die Nachbildung des alten Reichsadlers über dem Eingang erinnert an das reichsfreie Städtlein der Stauferzeit, das Halseisen des Prangers an die Aufkirchner Gerichtsbarkeit.

Östlich gegenüber dem Rathaus befindet sich das ehemalige Amtshaus. Es wurde 1688 erbaut und war bis 1811 Amtshaus. Danach wurde es als Bäckerei genutzt. Das mächtige Anwesen befindet sich in Privatbesitz.

Südlich vorbei am Adlerwirt und ehemaligem Schulhaus steht rechts davon die St. Johanniskirche inmitten des Friedhofes. 1642 wurde mit dem Aufbau der Kirche der 1634 niedergebrannten Kirche begonnen. Der 38 Meter hohe mächtige Kirchturm ist weit in die Landschaft hinein sichtbar. In der Glockenstube hängen fünf Glocken. Im Altarraum sehen Sie den Taufstein aus der romanischen Kirche (12. Jahrhundert). Der Renaissance-Altar stammt aus der Oettinger Schlosskirche und kam 1686 hier her. Beachten Sie das Abendmahlbild der Predella. Jesus reicht Judas den Bissen. Über dem Eingang zur Sakristei hängt ein Luther-Bild. Basilius Gabler, in Aufkirchen geboren, in Hannover lebend, hat es 1766 gestiftet (zur 250-Jahrfeier des Thesenanschlages 1517).
Auf der Orgel: Zwei lobsingende Engel, sie preisen Gott mit Herzen, Mund und Händen und lassen etwas vom Klang des frühbarocken Werkes ahnen. Die Orgel hatte einen langen Weg hinter sich, ehe sie nach Aufkirchen kam. Vom Abt von Rebdorf bestellt, war sie 1663 gebaut worden. Jener konnte sie nicht bezahlen. Schließlich übernahm sie der Eichstätter Bischof Johann Eucharius Schenk zu Castell, ließ sein Wappen auf ihr anbringen und schenkte sie den Eichstätter Dominikanern. Am oberen Rand des Wappens erkennen Sie Bischofsstab, -mütze, einen Märtyrer und das Schwert des Fürstbischofs. Der Märtyrer thront auf einem Lorbeerkranz, die Arme auf den Rücken gebunden, sein Unterleib ist abgeschlagen. Er hat mit Christus überwunden (Off. 2,10). In den Wappenfeldern sehen Sie außer zwei Hirschgeweihen, vier englische Leoparden, die uns an Willibald, den ersten Eichstätter Bischof, an seinen Bruder Wunibald und deren englische Herkunft erinnern.
Nach der Säkularisation des Dominikanerklosters 1806 stand die Orgel zum Verkauf. Der Aufkirchener Johann Caspar Beck war als Schlachtermeister in Hamburg in der napoleonischen Zeit zu Geld gekommen. Er spendete die 475 Gulden für den Ankauf der Orgel (rechts von der Orgel sein Bild). Die Orgel gilt als eine der ältesten und wertvollsten Barockorgeln überhaupt. Österreichische Glaubensflüchtlinge aus dem Ländlein ob der Enns kamen nach dem Dreißigjährigen Krieg auch Aufkirchen und Irsingen. Sie trugen das Ihre zum Wiederaufbau der Kirche bei und erhielten ihren Platz an der Orgel. Aus dieser Zeit stammen 4 Bilder. Sie erinnern an Verfolgung, Flucht, an ihr Ringen mit Gott und an ihren Dank ihm gegenüber.

PS: Der Inhalt der hier abgedruckten Chronik wurde aus den drei Broschüren der Kirchengemeinde Aufkirchen (Aufkirchen, Geschichte, St. Johannis) bzw. der Festausschüsse 1979 (Aufkirchen – Aus der Chronik-kleiner Wegweiser zu Sehenswertem) und 1988 (800 Jahre –burgum ufkirchin-) entnommen.