Geschichte Ortsteil Irsingen

Gerolfingen | Aufkirchen | Irsingen

Chronik von Irsingen

1. Ortsentstehung

Irsingen wurde im Jahre 1053 erstmals urkundlich erwähnt (bei der Beschreibung eines kaiserlichen Wildbannes als Villa Ursingen). Die Gegend um den Hesselberg war aber schon seit der mittleren Steinzeit besiedelt, wie manche Funde (auch in der Irsinger Gemarkung) beweisen. Ab ca. 500 v. Chr. bewohnten die Kelten unser Land und hinterließen uns u.a. die verschiedenen Schanzen.
Vertrieben wurden die Kelten um ca. 100 n. Chr. von den Römern, nachdem diese aus dem Donauraum in unser Gebiet vorstießen. Die Römer bauten Straßen und sicherten ihren Besitz durch Kastelle und später durch eine Schutzmauer – den Limes. Ein germanischer Stamm – die kriegerischen Alemannen – drängten im 4. Jahrhundert die Römer nach Süden und später über die Alpen zurück. Diese Alemannen siedelten sich auch im Hesselbergraum an und teilten das fruchtbare Land unter ihren Stammesführern auf. Es entstanden die Ursiedlungen unserer Gegend in der Mitte der meist größeren Gemarkungen. Alle Ortsnamen enden mit „ingen“ und vorn dran steht der Name des Sippenführers. Auffallend ist, dass in unserem Raum alle diese Orte im Bereich des ehemaligen Römergebietes liegen. Dies liegt sicher daran, dass die Alemannen sich hauptsächlich an den guten Böden des Lias ansiedelten und nach Norden zu, sich das Sumpfgebiet der Heide befand. Irsingen dürfte später entstanden sein, da der Ort doch ziemlich am nördlichen Rand seiner kleinen Gemarkung liegt. Bei seiner Entstehung war wohl schon fast alles fruchtbare Land verteilt. Dem Ortsnamen nach dürfte ein bei dem Rückzug der Römer zurückgebliebener Legionär (lateinischer Name „Urso“) von den Alemannen geduldet worden sein. Er bekam einen Rest von dem fruchtbaren Liasgebiet zugeteilt. Ein siegreicher Germane dürfte wohl kaum den Namen eines besiegten Romanen angenommen haben.
Die jetzige Gemarkung Irsingen entstand nach und nach durch Rodungen gegen Süden und Osten, wie die verschiedenen Flurnamen bezeugen. Gerolfingen war eine der größten Ursiedlungen der Alemannen. Mit der Landname der Franken wurde von diesen dann Aufkirchen aus politischen Gründen als strategisch wichtiger Ort (Flussübergänge – Altstraßen) in die Gerolfinger Urmark gebaut. Nach Auffassung von Generalmajor Popp (1893) war im Bereich des jetzigen Friedhofs von Aufkirchen früher ein Römerkastell vorhanden, (rechtwinklige Form mit viereckigem Marktplatz) das von den Alemannen zerstört und durch die Franken wieder als befestigter Königshof zur Überwachung des Wörnitzgrundes ausgebaut wurde. Aufkirchen hatte dann mit Gerolfingen eine gemeinsame Gemarkung bis ins 18.Jahrhundert.
Mit den Franken kam das Christentum in unsere Gegend. In Aufkirchen wurde eine der ersten Kapellen erbaut. Seit Entstehung der christlichen Gemeinde in Aufkirchen gehört Irsingen zu dieser dazu. Die Franken teilten das Land in verschiedene Gaue auf. So befand sich Aufkirchen, Irsingen und Gerolfingen genau an der Grenze vom nördlichen Sualafeld und dem südlichen Riesgau. Diese Grenze wirkte sich jahrhunderte lang in der Reformationszeit (evangelisch-katholisch), in der Politik (Markgrafen-Oettinger) und auch jetzt noch in der Sprache (fränkisch-schwäbisch) auf die Bewohner der Gegend aus.
An der Gemarkungsgrenze westlich von Irsingen verläuft eine Altstraße, die vom Ries über Schopflohe, westlich Himmerstall nach Norden Richtung Herrieden geht. Diese dürfte von den Römern angelegt worden sein, wie der Flurname Herdstraße (1683 „uf der Heerstraßen“) andeutet. Ein Nebenzweig der Nibelungenstraße, führt wahrscheinlich von Weiltingen her durch Irsingen, an der Wunibaldquelle vorbei mit der „Rintgasse“ über die Wörnitz Richtung Röckingen. Die Urhöfe der Siedlungsgründer in Irsingen befinden sich alle nördlich dieser alten Straße. Der erste und wichtigste war der später so genannte Maierhof. Die als größere Blöcke in einer ansonsten Langstreifengewannenflur liegenden Grundstücke des Maierhofes (durch die Flurbereinigung verschwunden) bezeugen die Bedeutung des Hofes mit seinen Rechten und Pflichten in Irsingen. Das auch heute noch „Moarhof“ genannte Anwesen Nr. 15 war auf einigen Feldern der Ruffenhofener Flur zehntberechtigt. Aus dem Maierhof ist zu unbekannter Zeit das Anwesen Nr. 7 gebrochen worden. Das ist nicht nur an der Nachbarlage der Grundstücke von beiden zu erkennen, sondern auch daran, dass diese Anwesen der Reichsalmosenpflege zu Dinkelsbühl zinsbar waren. Auch besaß jedes Anwesen die Hälfte eines Feldlehens (je 12 Morgen) und beide teilen sich das Maierholz (4 Morgen) südlich des Ortes. Es ist wahrscheinlich, dass damals Nr. 17 (eine Webersölde ohne Grundbesitz) auf Maierhofgrund errichtet wurde. Die sonstigen größeren Anwesen des Ortes sind Nr. 4, Nr. 10 und Nr. 20. Alle diese Hausnummern liegen auf der Nordseite der Dorfstraße. Südlich davon liegt der Brühl, ein Grünland, das wohl nicht bebaut war (diese Brühls findet man oft in Maierhofnähe oder königlichen Gütern). Nr. 7 wurde als Ausbruch vom Moarhof dort hinein gesetzt. Ebenso sind die auf dem Brühl stehenden Anwesen zur Zeit des Erstkatasters kleinere Höfe. Im Jahr 1525 zählte Irsingen 18 und im Jahr 1608 23 Anwesen. Es sind also zwischen 1525 und 1608 fünf Anwesen dazu gekommen. Die Irsinger Gemarkung ist auffallend klein (814 Tagwerk). Dabei ist zu beachten, dass im Südosten, in der Nähe des Bürgfelds, einst eine gemeinsame Weide mit Aufkirchen und Gerolfingen war, die erst im 18. Jahrhundert verteilt wurde. Auch die Nordwestgrenze auf dem Kamm des Lohwasens ist das Ergebnis jahrhunderte langer Streitigkeiten. Der Altbestand der Irsinger Flur, sind die so genannten Breiten westlich und nordwestlich des Ortes. Fuchslohe, Sandfeld und Heide im Süden und Südosten sind schon dem Namen nach spätere Rodungen.

2. Mittelalter

Über das frühe Mittelalter gibt es kaum noch Dokumente von Irsingen. Das liegt sicher an der engen Verbindung mit Aufkirchen, welches viel bedeutender war. Auch gab es in Irsingen keine Lehrer und Pfarrer, die früher meist die Ereignisse aufschrieben. Einige wenige Vorgänge sind aber doch bekannt, sie sind im nächsten Kapitel beschrieben.
1517 wurde durch den Thesenanschlag in Wittenberg von Martin Luther die Reformation ausgelöst. Ab 1519 begannen auch in der Grafschaft Oettingen reformatorische Aktivitäten. Während die Linie des Grafen Oettingen-Oettinen zum evangelischen Glauben übertrat, behielt die Linie Oettingen-Spielberg den katholischen Glauben bei. Irsingen ist nach Aufkirchen eingepfarrt. In Aufkirchen wurde ab 1524 die Reformation angebahnt, sodass sich der evangelische Glaube bis zum heutigen Tag halten konnte.
Im Bauernaufstand von 1525 versuchten die Bauern mit Gewalt, sich von den Abgaben und Frondiensten der Herrschaften zu befreien. Der Aufstand wurde jedoch niedergeschlagen. Irsinger Bewohner waren dabei, als der Rieser Haufen das Kloster Auhausen plünderte. Sie wurden danach in der Schlacht von Ostheim von markgräflichen Soldaten vernichtend geschlagen. Zur Strafe wurden den Irsingern 1528 vom Schwäbischen Bund 144 Gulden aufgebürdet.
Der 30-jährige Krieg (1618 – 1648), der anfangs als Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken geführt wurde, entwickelte sich schnell zu einem Ringen um die Macht in Mitteleuropa. Während in den ersten Jahren der Kriegsschauplatz vor allem in Norddeutschland lag, wurde ab 1628 mehr und mehr auch Süddeutschland von den Kampfhandlungen und Plünderungen betroffen. Durch die Schlachten von Nördlingen (1634) und Alerheim (1645) kamen größere Heere in unsere Gegend und verbreiteten Angst und Schrecken. Wenn man die Truppenbewegungen im 30-jährigen Krieg betrachtet – wobei Aufkirchen und Umgebung immer wieder durch Plünderungen und Brandschatzung betroffen war, muss man annehmen, dass die vorbeiführenden Altstraßen damals von großer Bedeutung waren. Die größte Heimsuchung musste Aufkirchen am 5. April 1634 erleben, als es nach Plünderung in Brand gesteckt wurde. Neben Pfarrkirche und 54 Häusern fielen auch die Kirchenbücher den Flammen zum Opfer. 1642 beginnen wieder die Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern. 1643 wurde der Kirchturm wieder hergestellt. 1685 wurde das jetzige Pfarrhaus erbaut.

Irsingen vom 18. Jahrhundert bis heute (Kurzfassung)

1714Im März und April sind Soldaten von Leutrumschen Regiment in Aufkirchen gelegen. Am 20. März fiel in Irsing eine Bande von 7 – 8 Räubern in das Dinkelsbühlische Haus des Michael Ries ein und plünderte es aus.
1719Ende September, Vergleich zwischen Aufkirchen, Gerolfingen, Reichenbach und Irsingen wegen der gemeinschaftlichen Hutung
1806Irsingen wird vom Oettinger Fürsten an das Königreich Bayern abgegeben
181018. Mai, Grenzbereinigung zwischen Bayern und Württemberg. Die Herrschaft in Weiltingen hatte 9 Untertanen in Irsingen
1876Gründung des Soldaten- und Kampfgenossenvereins Aufkirchen – Irsingen
1895Scheunenbrand in Hs.Nr. 14
189811. Januar, Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Irsingen
1914-1918Im ersten Weltkrieg fallen 5 Irsinger
1923Irsingen erhält eine öffentliche Stromversorgung
1939-1945Der zweite Weltkrieg fordert in Irsingen 7 Gefallene und 4 Vermisste
1953Bau einer Wasserversorgungsanlage mit Nachbargemeinden
1954-19571. Flurbereinigung
1954Neubau eines Sportplatzes im „Lohe“
1962Bau eines Kindergartens zwischen Aufkirchen und Irsingen
1963Erste Flüge der Dinkelsbühler Luftsportvereinigung über dem Bärenbuck
1972Zusammenschluss der Gemeinde Irsingen und Aufkirchen mit Gerolfingen
1974Gründung der Waldgenossenschaft Irsingen
1983-1990Dorferneuerungsverfahren Irsingen
1990Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses
2000-20052. Flurbereinigung
2010Irsingen wird komplett neu mit Strom und mit DSL (Internet) verkabelt
PS: Der Inhalt der hier abgedruckten Chronik von Irsingen wurde im Wesentlichen aus der Festschrift „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Irsingen“ entnommen.